Ralf Kistner









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Fahrbericht Yamaha FZ 6 Fazer



Text: Ralf Kistner
Fotos: Ralf Kistner, Gitte Schöllhorn


Episode 3 - die dritte Generation der Fazer stand Anfang 2004 in den Startlöchern beim Händler. Die Ahnen der aktuellen Yamaha FZ6 Fazer überzeugten viele Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen durch ihre inneren Qualitäten. Äußerlich zeigten sie sich stets im Kleid des absoluten Understatements.



Die neue Fazer reiht sich nahtlos ein, was das Äußere betrifft. Lediglich der fast böse Blick der Doppelscheinwerfer und die neuen Seatpipes geben ihr ein dynamischeres Erscheinungsbild. Die echten Qualitäten schlummern auch bei dieser Fazer im Inneren.

Die Grundidee dieser Baureihe, einen Sportmotor in ein alltagstaugliches Straßenfahrwerk mit tourentauglichem Lenker zu pflanzen, wurde bei der FZ6 äußerst präzise umgesetzt, handelt es sich beim Triebwerk um das der supersportlichen R6. Modifikationen an der Einspritzung reduzierten die Leistung auf versicherungsgünstige 98 PS.

Angenehm für das Auge empfinde ich den fast freien Blick auf das wassergekühlte Aggregat, das nun in dem aus zwei Hälften bestehenden Alurahmen gehalten wird und nach vorne unten frei zu hängen scheint. Der Rahmen verspricht große Stabilität, was sich im Fahrtest später bestätigen wird. Im Gewicht reduziert, verleiht er der neuen Fazer ein edleres und robusteres Erscheinungsbild.

Meine Test-Fazer erhalte ich dankenswerterweise in Monheim von Herrn Schindel, dem Inhaber der Firma Bike&Motorwelt (www.bike-motorwelt.de). Wie üblich hält er eine sehr große Auswahl an Yamaha-Modellen, Quads und Rollern zu Probefahrten bereit. Ich finde den Umfang seiner Fahrzeugpalette immer wieder beeindruckend.

Schnell wird sie für die Fotos noch gereinigt, so dass sie gleich blitzend und einladend in der Sonne steht. Gleichmäßig surrt die kleine 600er Vierzylinder vor sich hin. Die Sitzposition passt sofort. Der schmale Tank ermöglicht einen angenehmen Knieschluss. Die schmale Taille lässt auch kürzere Beine noch bis zum Boden reichen. Trotzdem muss ich mich nicht auf die Yamaha falten. Die Hände fallen wie von selbst auf die Lenkerenden, die mit einer etwas zu starken Kröpfung aufwarten und die Handgelenke leicht verdrehen. Yamaha-typisch sind alles Bedienelemente äußerst leichtgängig.
Das Instrumentarium fiel volldigital und futuristisch aus. Sind die Daten für Tempo, Tankfüllmenge, Laufleistung etc. noch gut ablesbar, tue ich mich beim Ablesen des kawasakiähnlichen Drehzahlmessers beim Fahren sehr schwer. Scheint die Sonne, kann ich auf die Schnelle nichts mehr erkennen. Ein analoger Drehzahlmesser ist da einfach unübertreffbar.

Mich stört das, da ich den kurzhubigen R6-Motor in bestimmten Drehzahlregionen halten muss, möchte ich richtig Leistung abrufen. Ab ca. 8000 U/min beginnt der kleine 600er, mit der Leistungsabgabe ernst zu machen. Vorher muss ich schon mindestens 6000 U/min anliegen haben, um von Leistung sprechen zu können. Darunter reicht es zum Mitschwimmen im normalen Straßenverkehr allemal - und es spart auch deutlich an Treibstoff.

Ich ziehe meine Bahn von Monheim zur Fotolocation in der Nähe der Donau. Schöne kleine Landstraßen führen mich über Wemding, Harburg und Bissingen zum Treffpunkt mit Gitte, um die Fotos zu schießen. Und wieder bin ich spät dran. Zu gerne halte ich mit Herrn Schindel ein Schwätzchen. Die Zeit fehlt mir jetzt.

Die Fazer kommt auf Touren. Ich halte sie über die beschriebenen 8000 U/min. Kein Verkehr, absolut freie Straßen für mich. Der im unteren Drehzahlbereich vollkommen stumme Ansaugtrakt betört plötzlich mit offenem Röcheln, die Seatpipes beginnen lauthals und gut wahrnehmbar ihr hochfrequentes Lied der Beschleunigung herauszuschmettern. Die erst zahme Fazer mutiert zum Sportler. Satt schiebt sie nach vorne. Die Gangstufen passen wunderbar zusammen und lassen sich mit sanftem Klick einlegen. Der Motor hängt direkt und sauber am Gas. Wow. Das macht Spaß!
Ein kurzer Tiefflug beginnt. Die Verkleidung produziert ab 100 km/h leichte Verwirbelungen am Helm. Die Scheibe steht steil und etwas weit von mir weg, so dass der Windstrom zu arg abreißt und Turbulenzen erzeugt. Aber sie sind eher schwach, zwar deutlich wahrnehmbar, aber weit weg davon, auf die Nerven zu gehen.

Einige unebene Teerbeläge deuten Vorsicht an, vor allem, da in Kurven Frostaufbrüche und Teerlöcher lauern. Die Fazer scheinen diese Fahrbahnunarten nicht zu interessieren. Sie ignoriert sie schlicht und glänzt durch ein schluckfreudiges stabiles Fahrwerk. Unauffällig folgt sie meiner Linie und reagiert spontan auf meine Lenkbewegungen zum Ausweichen vor zu großen Teerabplatzungen auf diesem Straßenstück.
Ein großes Lob gebührt den Fahrwerkskonstrukteuren. Sie generierten Elemente, die mit wenig Verstellmöglichkeiten sehr saubere Arbeit leisten. Vor allem das Federbein findet immer den Mittelweg zwischen Komfort und Sport. Es bietet großzügige Feder- und Dämpfungsreserven bei Fahrten im beladenen Zustand mit Sozius.

Der montierte Bridgestone BT 020 harmoniert mit der FZ6 wunderbar. Sie lässt sich relativ leicht einlenken. Wechselkurven können ohne großen Kraftaufwand durchwedelt werden. Allerdings fordert die Fazer bei höherem Tempo ab ca. 160 km/h unter kräftigem Zug am Gas einigen Nachdruck, um in Schräglage gebracht und gehalten zu werden. Aber das finde ich normal für Maschinen dieser Gattung. Der 180er Hinterreifen und der 120er Vorderreifen tragen ihr übriges dazu bei.

Eine auffällige Änderung musste die Bremsanlage hinnehmen. Waren die beiden Fazer aus Episode 1 und 2 mit den kaum übertroffenen Bremszangen der ehrwürdigen R1 ausgestattet, muss man sich aktuell mit standardisiert anmutenden Doppelkolben-Schwimmsätteln an 298er Scheiben vorne "begnügen". Nicht, dass ihre Verzögerungsleistung nicht ausreichend wäre, nicht, dass sie nicht genügend Reserven für sportliche Fahrweisen oder touristischen Fahrten mit voller Beladung mitbringen, aber in Sachen Handkraft, Dosierung und letztlich Leistung können sie nicht an die Leistungen der Vorgänger-Fazers hinreichen. Schade eigentlich.

Dennoch, mein Spaß steigt, je länger ich die Fazer bewege. Meinen Fahrstil habe ich inzwischen vollkommen an die Vorgaben des 600er Triebwerkes angepasst. Wir flitzen zügig übers Land und kommen rechtzeitig zum Fototermin.

Schnell sind die Fahrfotos im Kasten. Mich drängt es auf die Straße. Ich möchte die Zeit mit der Fazer nutzen und leite sie auf meine Teststrecken. Begeistert wachse ich mit ihr zusammen und genieße die herbstlich milde Luft und die trockenen Straßen, die die Fazer ab und an mit schwarzen Beschleunigungsstreifen in Kurven verziert. Sportlich fahren in touristischer Sitzposition - das ist genau meine Kragenweite. Selbst harte Bremsattacken nehmen Gabel und Stopper ohne Probleme hin. Kein Pumpen am Heck beim harten Beschleunigen aus satten Schräglagen. Ich fühle mich auch im Grenzbereich auf der Fazer pudelwohl. Und ein Aufsetzen in Rechtskurven gibt es nun nicht mehr am Auspuff, sondern an Rasten und Ständer.

An die Sozia dachte Yamaha ebenfalls, die sich auf dem hinteren Polster auch auf längeren Strecken wohl fühlen kann. Das Staufach unter der Sitzbank fiel leider den Seatpipes zum Opfer. Alles geht halt nicht.

Fazit:

Eine Fazer bleibt eine Fazer. Ihre bereits hervorragenden Alltagsqualitäten konnten die Yamaha-Ingenieure erhalten bzw. verbessern. Sie wirkt stabiler in Rahmen und Fahrwerk. Der Motor hängt sehr sauber am Gas, verlangt sportliche Drehzahlen und belohnt den Fazertreiber mit ordentlich Biss ab 8000 U/min. Mit etwas Zubehör lässt sich die Yamaha FZ 6 Fazer zu einem echten Tourenmotorrad verwandeln - ideal für Reisen durch Raum und Zeit.   











Und noch ein paar Fotos ...