Ralf Kistner

 

 

 

 

 

 

 

 

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Voxan Café Racer

Voxan Café Racer in der Totale

Vor gut 2 Jahren war ich total überrascht, als ich in der Presse las, das unsere französischen Nachbarn ein komplett neues Motorrad entwickelt und auf die Räder gestellt haben. Sie heißt Voxan und entstammt aus der gleichnamigen 1995 gegründeten Bikeschmiede mit 110 Mitarbeitern. Gut 1000 Bikes wollen die kampferprobten Gallier in diesem Jahr in die Welt schicken.
Klicken zum GroßbildDie Voxan machte auf mich, als ich erstmals ein Bild von ihr sah, einen eher exotischen Eindruck. Ich dachte mir, dass die mit ihrer eigenwilligen Designlinie sicher nicht so in Serie gehen wird.
Fehlanzeige: in Frankreich sind bereits Eigner dieser Fahrmaschine unterwegs. Seit 2001 will sich Voxan einen Platz auf dem deutschen Markt erkämpfen.Als Importeur hat sich Ex-Guzzi-Iporteur Röth aus Hammelbach die Aufgabe gesetzt, die Straßen unserer Republik mit Voxans zu bevölkern.

Die Bandagen sind hart, legt die Konkurenz aus Japan, Italien, Deutschland und Britanien doch schon seit Jahren mit richtigen Supermotorrädern die Messlatte vergleichsweise hoch an. Ich finde schon äußerst positiv, dass Voxan von Beginn an eine eigene Designlinie entwickelt hat. 3 Modelle sind praktisch versandfertig: die Cafe Racer, die Roadster und die Scrambler.
Satter Liter-MotorAllen gemein der mächtige 72°-V-Zwo 4Ventiler mit einer Mass Hubraum - auch eine komplette Neuentwicklung. Das macht neugierig.
Das Motormanagement kommt von Weber Marelli und gleicht dem der Guzzis.

Meine Testmaschine stellte mir freundlicherweise Reinhard Bergmann vom InTeam in Bechhofen zur Verfügung. Er ist seit kurzer Zeit Vertragshändler für Voxanmotorräder.
Ich bin in freudiger Erwartung auf dem Weg zu Reinhard. Am Telefon hatte er mir schon über seine ersten Erfahrungen mit der Cafe Racer berichtet. Ich weiß, dass er durch seine Guzziumbauten hohe Ansprüche an Motorräder stellt. Und er war total begeistert.

Die Maschine steht in der Sonne. Schon die Farbe fängt mein Auge ein: brombeermetalic, das sich kontrastreich vom metallischen Glanz der Antriebseinheit abhebt. Die Sonne spielt mit der Farbkomposition. Eine echte Augenweide. Rechtsseitig springt die eigenwillige Führung des riesigen Krümmers ins Auge. Das sieht schon brutal aus. Schön, dass der Blick auf den V-Zwo nicht verdeckt wird. Plastik teile gibt es nur da, wo sie für Aerodynamik und Luftführung unbedingt notwendig sind.
Eigenwilligkeit zeigt die Voxan ebenfalls durch Elemente wie das unter der Antriebseinheit angebrachte Federbein aus der Schmiede von White Power. Der Rahmen selbst besteht aus zwei bearbeiteten Gussteilen mit zwei Stahlrohren. Der Lenkkopf übernimmt zusätzlich die Aufgabe als Airbox. Die Schwingenaufnahme beinhaltet den Öltank. Beeindruckend, wie manch Konstrukteursidee auf einfache Weise Platz und Gewicht sparen helfen kann.

So - endlich habe ich den Schlüssel im Zündschloss. Die Sonne erwärmt die Frühlingsluft auf angenehme Temperaturen. Ohne Chokezusatz (der Choke hebt die Drehzahlen an) springt die Voxan sofort an und bullert mit tiefem Bass gleichmäßig vor sich hin. Einige Drehs an der Gasrolle ließen das Triebwerk gleich brüllen, dass es endlich losgehen soll. Ok, ok, ok. Ist gecheckt.
Soundmäßig kommt die Voxan in die Genusssparte. Angenehm die einstellbaren Hebeleien. Ich mag sowas. Das zeigt, dass sich die Erbauer auch Gedanken um den Fahrer gemacht haben. Individualität scheint für die Voxanbauer oberstes Ziel gewesen zu sein. Klicken zum Großbild der GabelVoll einstellbar sind die Paioli-Upside-down-Gabel und das untenliegende, mit Hebelei angesteuerte WP-Federbein. Sporttourerherz, was willst Du mehr?

Die Sitzposition zwingt mit den kurzen Stummeln zur vorgebückten Fahrerhaltung, die jedoch nicht unangenehm oder handgelenksüberlastend ist. Den Kniewinkel finde ich etwas zu eng. Aber das ist auch Gewöhnungssache. Die ersten Kilometer lasse ich die Vox erstmal warmlaufen. Nicht, dass die Warmlaufphase Schleichfahrt bedeutet. Nein, bis 4000 Umin bin ich schon gut zügig unterwegs. Das Triebwerk hängt sauber am Gas und vibriert kaum. Alles wirkt geschmeidig. Und alles ist untermalt mit sattem Vzwo-Bullern. Die Schaltvorgänge sind kurz und knapp, was durch das leicht und präzise zu schaltende Getriebe unterstützt wird. Die Gangabstufungen passen absolut zusammen.

Voxan in AktionJetzt endlich - die Betriebstemperatur ist erreicht. Nun darf der satte Liter-Vau zeigen, was los ist, wenn man eine französische Neuentwicklung auf die Piste schickt. Bis 5000 Umin ist man im 6. Gang mit knapp 160 km/h unterwegs. Das reicht theoretisch leicht aus, um auf der Landstraße die Pappe für einige Zeit zu verlieren. Wagt man sich in den Drehzahlbereich über der 6000er Marke, wird man in die Magie explosionsartiger Kraftentfaltung eingewiesen. Hier geht es wirklich zur Sache. Die Voxan beginnt hier einen mächtigen Sprengsatz geradliniger Leistungsentfaltung zu zünden. Du bekommst wieder den Blick mit dem Grinsen, das Gefühl von leistungsmäßiger Überlegenheit, den Schub Adrenalin, auf den du gewartet hast. Und du wirst unvermittelt süchtig danach, immer wieder an der Rolle zu drehen und diesen Vorschub am vollauschlagenden Popometer zu spüren. Da bleibt nichts mehr sachlich.
Der klare Blick verklärt sich. Deine Augen glänzen und haben damit zu tun, all die heranfliegenden Biegungen und Krümmungen auf dem Asphaltband unter deinen Rädern zu registrieren. Dein Ratio kämpft ums Überleben, denn die Emotionen zwingen dich schon fast dazu, die Café Racer durch die Landschaft zu treiben, von der du jedoch kaum etwas mitbekommen dürftest. Mein Gott, macht das einen Spaß.

Das Fahrwerk kommt dem eines Sporttourers sehr nahe. Feine Unebenheiten schluckt es fast komplett weg, so dass die Voxan leicht auch für lange Strecken taugt. Das Kreuz wird geschont. Harte Stöße werden gedämpft, ohne dass sie wackelig wirkt. Die Voxan beibt in wirklich jeder Lage ruhig und zieht die vorgegebene Linie mit Bravour geradlinig weiter. Bekannt aus Guzzis und Ducs die Brembo-Bremsanlage, die gewohnt vorzügliche Arbeit leistet. Muss sie auch, denn dem Vorschub müssen klare Grenzen gesetzt werden. Vorne wie hinten packen die Stopper so, wie sie sollen: heftig und fein dosierbar. Vorne reichen ein bis zwei Finger für satte Bremsleistungen vollständig aus. Das perfekte Bild wird lediglich durch ein deutlich spürbares Aufstellmoment gestört, das die saubere Linie stört.

VerkleidungDie kleine Verkleidung nimmt bis in den Halsbereich den gröbsten Winddruck. Der Kopf bleibt voll im Wind, was aber erst ab gut 160 bewusst spürbar wird. So steht auch längeren Autobahntouren in zügigem Tempo wenig im Weg. Unzufrieden war ich mit der Reifenwahl - überraschenderweise. Bestückt mit den Michelin Pilot neigte das Hinterrad in deftigen Schräglagen bei kräftigem Herausbeschleunigen aus Kurven in den unteren Gängen zum Wegschmieren. Das nahm mir etwas den Spaß. Vielleicht sollte man die Reifenwahl ab Werk noch mal überdenken.

 

InstrumenteDie Instrumente erscheinen in den Farben der Tri Colore. Sie sind übersichtlich, aber leider ohne Zeituhr und Tankanzeige.

 

 

 

 


Die Voxan ist eine ermunternde Bereicherung in der aktuell z.T. monochrom wirkenden Bikelandschaft. Ein Motorrad mit eigenwilligem Charakter, dass es dem Fahrer durch die Masse positiver Eigenschaften schnell möglich macht, alle Kapazitäten zu nutzen. Ein gelungener Erstauftritt für eine Neuentwicklung, auch wenn für gut 23.000.- DM nicht gerade billig. Doch bekommt man für das Geld ein mit edlen Komponenten ausgestattetes Funbike mit hohem Alltagswert.

Café Racer hinten rechtsWunderschöner Buerzel

 

 

 

 

 

 

Stand: 22.04.2001