Ralf Kistner

Ein Test - und Fahrbericht mit der Suzuki GSX-R 1000

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Klicken zum GroßbildEbbse rief mich im August an und fragte, ob ich Lust hätte, die neue 1000er Suzuki zu testen. Er hätte eine bei der Fa. Powerpoint in Ellwangen für den Test auftreiben können. Die 1000er GSX-R für einen Test. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit, da ich mich im Umzug befand. Andererseits wollte ich diese Maschine, die ja in der Presse und im TV in höchsten Tönen gelobt wurde, schon mal fahren.

Ok, ich machte die Sache klar und konnte dank gutem Wetter die Maschine über vier Tage verteilt immer wieder zwischen zwei Fuhren Umzugskartons fahren. Um ehrlich zu sein muss ich gestehen, das an diesen vier Tagen das Umzugsgeschehen schlagartig in den Hintergrund rückte, nachdem ich die Maschine beim Powerpoint abholte.

Das "Warum" muss ich nicht extra erklären, denn jeder weiß mittlerweile, dass die Daten dieser Maschine schon eine eigene Sprache sprechen. Ich möchte hier auch gar nicht auf die Technik im Konkreten eingehen, denn die kann sich jeder aus seinen ihm zugänglichen Quellen holen.
Nein, ich möchte ganz schlicht über meine Fahrerfahrungen berichten.

Als ich vor der Maschine stehe, denke ich mir, dass die ganz schön gedrungen aussieht und somit bestimmt für die Handgelenke die reine Folter werden wird. Einige Sekunden später sitze ich drauf - nein - in der Maschine und fühle mich auf den ersten Moment hin schon wohl. "Klasse", denke ich mir, starte den Vierzylinder und bekomme einen vollmundigen Sound aus dem originalen Titankamin zu hören. Wirklich ein Sound, der meiner Meinung nach gar nicht verändert werden muss.

Bullig schiebt das Aggregat die 195 kg leichte Fuhre nach vorne. Leichteste Dreher am Gas werden unvermittelt mit sattem, jedoch beherrschbarem Vorschub beantwortet.
Auf der Landstraße, endlich im Revier, taste ich mich so langsam an die Möglichkeiten der Maschine heran. Ich habe das Gefühl, dass hier alles passt. Die Sitzposition ermöglicht recht stressfreie Fahrt, da ich nicht unbedingt ein Luftpolster von vorne brauche, um die Handgelenke zu entlasten.

Dann der erste LKW. Ich bin im sechsten Gang bei knapp 80 Sachen, drehe kurz am Hahn, werde nach vorne mit stets wachsendem Druck geschoben. Als ich am LKW vorbei bin, muss ich wieder heftig einbremsen, um in den erlaubten Speedbereich hinein zu kommen. Unglaublich, wie die Suzi mich im letzten Gang nach vorne schob.
Nach weiterer (Schleich-)Fahrt interessierte es mich nach einigen Kurven dann schon mehr, wo die Suzi mir Grenzen aufzeigen würde.

Ich forciere meine Gangart und koste diese vehemente Beschleunigung in den unteren Gängen ab 8000 Umin aus. Was die 1000er hier zu leisten imstande ist, kann gut mit dem Abfeuern einer Rakete verglichen werden. Explosionsartig schießt sie nach vorne und zeigt vollkommen klar an, wo bei ihr der Hammer hängt. Es entsteht auf dem Gesicht dieses zufrieden- adrenalingeschwängerte Grinsen mit dem glänzenden Blick. Es ist plötzlich nichts mehr so richtig wichtig - außer mit der Power-Lady der Leidenschaft zu fröhnen, der ihr beide in der Lage seid, auszukosten. Man kann es auch platt sagen: es geht die Post ab, du drehst am Hahn, die Suzi rennt, zieht, drückt und scheint davon nicht genug zu bekommen. Schließlich hat sie noch Reserven an Leistung, das Fahrwerk fühlt sich leicht gekitzelt und die Bremsen leicht angestreichelt.

Diese Maschine ist auf der Landstraße auch bei zügiger Fahrt nicht an die Grenzen zu bekommen. Alles, aber auch wirklich alles bleibt im grünen Bereich ... wenn es da nicht das Menschliche an dem Gespann von Suzi und ihrem Fahrer gäbe. Schließlich steuert er.
Merkt er erst Mal, dass das Fahrwerk keinerlei Unruhen, auch bei heftigem Gasaufreißen in Schräglagen, bei gnadenlosen Bremsattacken nach wiederholtem suizidalen Geschwindigkeitsüberschuss vor oder gar schon in der Kurve, oder bei den in diesem, unserem Lande typischen Asphalt_Patchwork erzeugt, kann es sein, dass er schnell Hochgefühle bekommt und sich in Geschwindigkeits- und Beschleunigungsregionen wagt, die eigentlich der Rennstrecke vorbehalten sein sollten.

Ich habe es mitbekommen, dass auf einer im fränkischen viel befahrenen Feilstrecke die Suzi selbst im dritten Gang so viel Beschleunigungskräfte ans Hinterrad weiterleiten kann, dass dieser in seiner Haftung schnell überfordert ist. Folge war ein Sturz mit komplettem Verkleidungs- und Auspuffschaden.

Ich möchte sagen, dass jedem, der diese Maschine fahren möchte, klar sein muss, dass ein Stück Selbstdisziplin schon dazu gehört. 160 PS haben halt nur 195 kg Leergewicht zu bewegen. Das sind pro PS knapp 1,3 kg.

Da kommen Kräfte auf, dass es schon sein kann, wenn man im dritten Gang voll aufzieht, dass bei 180 Sachen und einer kleinen Bodenwelle das Vorderrad schnell den Boden verlässt und man sich bei 200 im Wheelie bewegt.

Absolute Spitzenklasse das Verhalten der Suzi in langen Kurven. Selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 250 zieht sie stur ihre Linie, die ich ihr vorgebe. Einlenken erfordert etwas Kraft und Nachdruck. Korrekturen danach sind selten notwendig, da sie sehr zielgenau auf Linie gebracht werden kann. Enge Kurven-kombinationen erfordern etwas Nachdruck. Aber wohlgemerkt - etwas. Sie ist insgesamt sehr gutmütig zu lenken. Die Bremsen lassen sich fein dosieren und beißen bei Bedarf brachial zu. Müssen sie auch, denn es gilt eben die vorher beschriebene Leistung in Zaum zu halten.

Mich überrascht bei flotter Fahrt über kleine wellige Sträßchen, dass ich nicht total weichgeschüttelt werde. Für einen Supersportler verhält sich die Suzi angenehm komfortabel und schluckt kleine Unebenheiten sanft weg ohne auch nur eine Spur von Schwammigkeit zu zeigen.

Der Windschutz geht bis ca. 170 km/h ok. Drüber muss ich mich etwas krümmen. Ab ca. 190 zieht der Sog den Kopf sanft nach unten. Für mich mit meinem Waschbärbauch eine echte Entlastung.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Instrumente alles bieten und klasse ablesbar sind. Angenehm auch das hinten im Bürzel untergebrachte Staufach, in dem meine komplette Digitalkamerausrüstung incl. Geldbörse Platz findet.

Die Suzi ist, wie ich finde, ein Gesamtkunstwerk. Das passt alles. Alles wirkt in sich rund und ineinandergreifend. Auch die Bereifung "meiner" Maschine mit den BT 010/011-Pneus passt sich in das Gesamtkonzept hinein.

Man muss sich nur überlegen, ob man so viel Power braucht, denn sie will wirklich beherrscht sein. Dass dies geht, zeigt mir dieser Test, denn trotz aller Supersportlichkeit bringt die Suzi dazu noch Alltagstauglichkeit und Gutmütigkeit wie ich sie bei Supersportlern bisher nur von einer Fireblade her kenne.

Tja, wenn ich jetzt 24.000.- DM hätte, . . .

Stand: 15.10.2001Ralf Kistner