Ralf Kistner









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Fahrtest mit der Metisse R 1150 GS Strada


Text: Ralf Kistner
Bilder: Ralf Kistner, Horst Edler


Was gut ist, kann auch besser werden. So könnte man die Zubehör- und Umbauideen des Team Metisse verstehen. Es gibt kaum ein Motorradmodell auf dem Markt, zu dem Horst Edler und seinem Team nicht noch etwas verbesserungswürdiges einfällt. Im letzten Jahr sorgten der BMW 1100 S-Umbau "Projekt M 1" und die R 1150 GS Strada in der Boxerwelt für Aufsehen. Man könnte denken, dass es ja speziell für die GS-Sparte genug Um- und Aufbauer gäbe. Da sind Wüdo, Touratec oder HPN, die sich schon mit ihren Umbauten einen Namen machen konnten.

Jeder GS-Treiber hat bestimmt schon einen der Kataloge gesehen bzw. sein liebstes Stück mit einem der zahlreichen Teileangebote ausgerüstet. Und man ist sich in GS-Kreisen einig, dass die Teile der genannten Anbieter in jedem Fall eine Verbesserung darstellten.
Wie kann man da an einem Motorrad, das von Natur aus schon zu den meistverkauften und besten Bikes gehört, noch was verbessern, wenn sich schon Jahre vorher Ingenieure und Techniker der Zubehörindustrie mit Erfolg genau darum bemühten? Kann man es noch besser machen?

Es geht. Soviel kann ich vorweg verraten. Horst Edler hat sich die Maschine von seiten des Nutzers her betrachtet und Fehleranalyse betrieben. So war schnell klar, dass die Positionierung des Wind-
schutzes beim Original einfach zu weit vom Fahrer weg plaziert ist. Dadurch entstehen die für den Fahrer ungünstigen Verwirbelungen, da sich der Windstrom, gleich nachdem er von der Scheibe ge-
brochen wurde, genau im Bereich des Fahrerkopfes "wieder trifft"in Form von Verwirbelungen, deren Wirkung ich auch bei der schon verbesserten Originalscheibe der GS Adventure leidlich erfahren konnte.

Edler konstruierte einen Umbau mit dem Ziel, die Scheibe näher an den Fahrer heranzubringen. So wurde die Instrumentenhalterung neu entwickelt und nun mitlenkend kontruiert. Instrumente und Scheibe rückten dem Fahrer um einiges entgegen und wurden etwas erhöht. Zudem wurde die Airflow Tourenscheibe entworfen, die schräger als das Original steht. Ein integierter Spoiler soll Verwir-
belungen wirksam vorbeugen.






Statt dem "Entenschnabel" steht unter der Scheinwerfereinheit nun
der Ölkühler nach vorne weg. Seinen Halt findet er in einer pulver-
beschichteten Edelstahlhalterung am Frontrahmen.
Damit Sozia und Fahrer auch beim Fahren eine Einheit bilden können, spendierte man der GS eine einteilige Sitzbank. Sie ist straffer als die originalen Sitzteile.


Motorseitig veränderten die Metissler nichts - na ja, fast nichts. Sie führten die beiden Krümmer in ein Y-Edelstahlrohr zusammen und ließen dies in einem Endtopf der französischen Auspuffschmie-
de Nikko Racing münden. Das Ergebnis ist durchweg verblüffend:
ein Drehmomentzuwachs in Spitzen bis zu 10 NM (!) und ein Leistungszuwachs von mehr als 5 kW. Das ließ mich aufhor-
chen, denn die originale GS 1150 hat ja schon bulliges Drehmoment und genug Leistung für zügiges Vorankommen.
Das Getriebe der Strada hat einen kurzen sechsten Gang.
Fahrwerksseitig tauschte Edler vorne und hinten die Originaldämpfer gegen hochwertige Öhlins aus. Ein Lenkanschlag mit Gummipuffer schützt bei einem Sturz den originalen Lenkanschlag und letztlich Tank und Telelever.

Die neukonstruierte und wesentlich stabilere Paraleverstrebe besteht aus Edelstahl und schützt das Auge der hinteren Befestigung bei einem Sturz oder bei Aufsetzern im Gelände. Eine verkürzte Variante erhöht das Heck um 20 mm, eine Empfehlung, um die Handlichkeit der Maschine zu erhöhen bzw. bei voller Beladung zu erhalten.

Horst Edler nimmt sich viel Zeit, mir die Details zu erklären. Für mich ist spürbar, dass er ein Mensch ist, der darauf aus ist, aus Vorhandenem das Maximum herauszuholen.

Auf der Metisse R 1150 GS Strada bin ich nun unterwegs von Auenwald Richtung Kochertal. Kleine wellige Albstäßlein, die ihren Lauf über sanfte Hügel nehmen und durch Wälder führen. Ein ideales GS-Terrain.
Der Sound der Nikko-Anlage wirkt kräftig und vor allem rauher als das Originalbrabbeln. Nun kann man wirklich von Sound reden. Es ist spürbar, dass der Boxer ohne Kat wesentlich leichter ausatmet und dies nun mit einem ebenso deutlichen Leistungsplus quittiert.
Ab Standgas zieht er vehement an und ist obenraus bis zum Drehzahlbegrenzer drehfreudiger als sein Originalpendant. Aufgrund der aufrechten Sitzposition muss ich mich gehörig nach vorne stemmen und festhalten, wenn ich in den unteren Gängen angase.

Als ich das nun ausprobiert habe, gebe ich mich dem Kurvenwedeln im sechsten Gang hin. Kein Problem, denn diese Leistung in Verbindung mit dem kurzen 6. lassen ein Herunterschalten fast überflüssig erscheinen, denn die Strada zieht aus jeder Drehzahllage ohne Murren direkt und zielstrebig in Richtung Drehzahlzenit. Ich bin vollauf begeistert von soviel Mehr an Power bei so wenig Aufwand. Der für mich angenehme Nebeneffekt ist der immer präsente Nikkosound, nicht laut, aber deutlich offener als das Original. Ist ja auch ein ABE-Topf. Eine Racingausführung ist ebenfalls erhältlich. Diese lässt den Boxer dann zu Spitzenleistungen auflaufen, aber leider ohne ABE.

Die Windschutzscheibe lässt sich in drei Positionen arretieren. Es ist deutlich spürbar, wie die Verwirbelungen abgenommen haben. Endlich kann ich eine GS fahren ohne die Scheibe abmontieren zu müssen. Die deutlich an den Fahrer herangerückte Position lässt den Wind über mich hinwegstreichen und schützt bis an die 200 km/h äußerst wirksam vor Wind und Wetter. Längere Etappen im Bereich zwischen 160 und 200 sind so ihne Probleme zu bewerkstelligen. Ich kann endlich die entspannte Sitzposition der GS ausnutzen ohne voll im Wind zu sitzen oder alternativ mir den Kopf matschig schütteln zu lassen. Ich finde, dass dieser Frontumbau in Verbindung mit der Airflow Tourenscheibe nicht nur die Maschine optisch aufwertet, sondern vor allem in seiner Wirkung eine absolute Verbesserung darstellt. Eine Investition, die sich auf jeden Fall lohnt.

Und der fehlende Schnabel? Er soll doch das Vorderrad bei höheren Geschwindigkeiten auf dem Boden halten. Tut er auch. Und wenn er fehlt, dann ist das durch eine wirklich leichte Unruhe am Vorderrad spürbar. Es geht durchaus auch ohne.
Die Sitzbank wirkt straff, aber immer gepolstert. Anders als auf vermeintlich gut gepolsterten Sitzbänken, die den Sitzbeinknochen nach zwei Stunden nur noch die harte und schließlich schmerzende Sitzschale anbieten, kann man mit dieser Sitzbank wirklich auf die lange Tour gehen. Durchsitzen ist hier nicht der Fall. Durch ihre schmalen Flanken vorne ist ein sicherer Halt für die Füße im Stand gewährleistet. Und die Sozia kann sich nun endlich auch auf der GS an mich heranschmiegen. Ein durchaus stimmungsfördernder Umbau mit Hang zu mehr Fahrsicherheit und Agilität, da so die Einheit von Fahrer und Beifahrer optimal gewährleistet ist.



Der Name "Öhlins" sagt vielen ja schon alles. In der GS, die im Original ein fast perfektes Fahrwerk besitzt, setzen sie auch noch eins drauf. Trotz der langen Federwege ist bei schneller Fahrt über wellige Straßen nun dieses z.T. auftretende tiefe Einsinken in die Federn nicht mehr vorhanden. Ebenso werden die Aufwärtsbewe-
gungen deutlich, jedoch nicht hart gedämpft, so dass die Maschine mehr auf einem Niveau gehalten wird. Feine Stöße schlucken die Öhlins feinsensibel weg. Gegenüber dem Original, wo man sich manchmal wie in einer Sänfte fühlen kann, bekommt man mehr Rückmeldung. Aber das ist alles Geschmackssache. Mir jedenfalls tut es immer gut zu spüren, was die Maschine unter mir mit der Straße macht.

Fazit:

Mit der Metisse R 1150 GS Strada ist Horst Edler eine entscheidende Verbesserung der Original GS gelungen. Mehr Power, mehr Fahrkomfort und mehr Fahrsicherheit machen die Strada zu einem alltagstauglichen Spaßbereiter, egal ob auf langer Tour, auf der Hatz über die Hausstrecke oder auf Etappen abseits asphaltierter Verkehrswege.
Man kann gespannt sein, was er und sein Team als nächstes planen. Wird's vielleicht ein ganz neues Motorrad? Warten wir es einfach ab.
Wer mehr Informationen benötigt, kann sie sich auf der Metisse-Website unter www.metisse.de oder direkt bei Team Metisse besorgen.

Adresse:
Team Metisse
Forststraße 23
71549 Auenwald-Hohnweiler
Tel.: 07191 302030
Fax: 07191 302020                                                            

Und noch ein paar Bilder von der Strada . . .