Ralf Kistner









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Fahrbericht mit der


Honda CB 1300



Text und Bilder: Ralf Kistner


Ich bin richtig gespannt und in Vorfreude, als ich an dem sonnigen Morgen von meiner Freundin nach Hause komme. Die CB 1300 steht schon in meiner Garage. Der Fahrer der Spedition rief vorhin an und war früher als erwartet mit der Maschine bei mir. Daheim angekommen schaue ich gleich in die Garage. In graumetallic habe ich sie bekommen, um mit ihr die nächsten zwei Wochen meine Hausstrecken abzusurfen. Ich laufe um die Maschine und betrachte mir die ersten Details. Am auffälligsten springt der voluminöse und dicke Tank ins Auge. Dann der Motor. Frei und unverbaut kann ich ihn mir in aller Ruhe ansehen. "Das wirkt alles wie ein monströser Eisenhaufen", würde jeder der Sportgilde dazu sagen. Dennoch fallen schöne Detaillösungen auf. So z.B. die peppige Krümmerführung der 4 - 1 - Anlage mit ihrem ungeregelten Kat. Man meint, die Ingenieure haben die Krümmer direkt um den nach vorne spitzenden Ölfilter gebaut. Bei der Ölkontrolle fällt mir eine kleine Schlitzschraube im Schauglas auf. Habe ich noch nie gesehen. So erzählt mir die Bedienungsanleitung, dass ich mit der Schraube einen innenliegenden "Scheibenwischer" bedienen kann, der das Schauglas von Verschmutzungen reinigt. Was es alles gibt ...

Ich nehme die CB vom Seitenständer. Hauptständer is nich - leider. Das würde die Kettenpflege oder den Reifenwechsel hinten erleichtern. Die CB wirkt sauber ausbalanciert. Die Sitzposition ist angenehm aufrecht. Durch die verstellbaren Lenkerklemmungen kann der Lenker um ca. 2 cm näher zum Fahrer hin montiert werden, was ich gleich mache, denn ich mag es wirklich gemütlich.

Etwas gewöhnungsbedürftig für heutige Zeiten ist die Position des Chokes, der unterhalb der Einspritzbrücke seinen Platz bekam. Doch bei den heurigen Sommertemperaturen kann er getrost unbeachtet bleiben. Der bullige Reihenvierer springt sofort an und hängt ohne zu Murren sauber am Gas. Der brabbelnde Auspuffsound verspricht Power.

Dann die ersten Meter auf der Landstraße. Der Motor glänzt mit kernigem Schub schon ab Leerlaufdrehzahl. Anfahren ohne Gasgeben an einer knapp 10 %igen Steigung macht er mühelos Drehmoment sei Dank.Aufgrund der vorhandenen Power überspringe ich immer einen Gang und fahre praktisch hauptsächlich im 1., 3. und 5. Gang. Mehr braucht es nicht. Und es ist wirklich ein Erlebnis, die CB mal laufen zu lassen.

Ich biege in eine kleine Nebenstraße ein, die mit gutem Belag und vielen Kurvenkombinationen glänzt. Mit der CB genau das richtige Terrain. Ich durchpfeile die Strecke im fünften Gang und bin äußerst positiv angetan ob der Leichtigkeit, mit der die CB 1300 in wilden Rechts-Links-Kombinationen bewegt werden kann. Fällt sie im unteren Geschwindigkeitsbereich wie von selbst in Schräglage, muss bei höherem Tempo etwas nachgedrückt werden. Ein unterstützender Zug am Lenker tut's auch. Alles in dem Rahmen, der die Honda immer leichtfüßig erscheinen lässt. Dabei wirkt sie stabil und sehr zielgenau.

Einige Kurven nehme ich etwas zackiger als sonst und genieße diese Synthese aus Handlingsleichtigkeit und kräftigem Vorschub. Und ich befinde mich plötzlich in krassen Schräglagen, da ich diesen Vorschub im letzten Gang so nicht gewohnt bin. Ein Blick auf den Tacho verrät den Grund der Schräglagen und entlockt mir ein breites Grinsen im Helm. Booaahhh, das ist ja heftig und unglaublich, was mit diesem schweren Hobel alles gemacht werden kann. Die verbauten, neu auf dem Markt erschienenen Dunlop D 220 ST unterstützen die Handlichkeit und haften bis an den Rand der Lauffläche. Sie kommen jedoch nicht so ganz mit der Leistungsentfaltung der CB 1300 klar. So stelle ich vermehrt beim Rausbeschleunigen aus engen Kurven einen Hang zum unvermittelten Wegschmieren fest. Die Pneus können jedoch der Kraft des Motors relativ lange stand halten. Habe ich bei entsprechender Fahrweise mit leistungsstarken Maschinen den Hinterreifen schon nach 1100 km geglättet, weist der Dunlop der CB 1300 auch nach 2000 km immer noch sehr viel Profil auf.

Im Gewirr meiner Hausstrecken unterwegs, ist nun welliger Straßenbelag angesagt. Und da beginnt ein ungemütliches Gehoppel. Die CB wirkt in den Federelementen knochig und springt in Schräglage über leichte Unebenheiten. Das gefällt mir nicht, denn diese Disziplin können heutzutage sogar Supersportler vom Schlage einer CBR 600 RR oder einer R 6 schon wesentlich besser. Also schraube ich am Fahrwerk und stelle vorne wie hinten die Zugstufe weicher. Das schafft Abhilfe bis in den mittleren Geschwindigkeitsbereich. Drüber wird die Honda nun schwammig und wirkt unterdämpft. In den zwei Testwochen habe ich diverse Einstellungen von Feder und Zugstufe ausprobiert und fand für spezielle Einsatzzwecke immer eine zufriedenstellende Kombination. Eine Allroundeinstellung, wie sie beispielsweise ab Werk eine XX oder CBR 600 RR hat, mit der man 80 % der Gegebenheiten unterwegs mühelos und ohne Tadel meistern kann, fand ich bei der CB 1300 jedoch nicht. Das nahm mir manchmal etwas den Spaß, den sie durchaus zu verbreiten in der Lage ist.

Erste Sahne sind die Bremsen. Verbaute man bei Honda leicht modifizierte Fireblade-Stopper, glänzen diese mit präziser Dosierung und ankermäßiger Verzögerung, was ich bei dem Vorschub und den möglichen Geschwindigkeiten auch als äußerst sinnvoll erachte. Schließlich kann die CB 1300 bis an die 240 km/h herangeführt werden. Und bin ich, wie vorhin beschrieben, mit Spaß und Speed unterwegs, dann sind satte Verzögerungen ein stark das Grinsen im Gesicht haltender Faktor. So kann die CB alle Gangarten von Bummeln bis Heizen.

Das Sitzen auf der Honda ist ebenfalls ein Genuss. Das breite Polster fühlt sich an wie Omas Fernsehsessel. Auch die Sozia braucht nicht zu meckern. Sie kann durch die erhöhte Position über meine Schultern schauen. Der Blick nach hinten wird durch ausreichend lange Spiegel gewährleistet.

Das beste ist das Staufach unter der Sitzbank. Da ist wirklich genug Platz für eine Regenhose, ein paar Regenhandschuhe, meinen Digitalfoto, eine Trinkflasche und eine ausreichende Brotzeit. Dieses Raumangebot nenne ich bikerfreundlich. Man kann sich dadurch einen Tankrucksack sparen und hat die Sachen zudem noch unsichtbar und abgesperrt untergebracht. Zusätzlich können zwei Helme an den massiven absperrbaren Haken gelegt werden, der übrigens schon bei meiner 89er VFR baugleich montiert wurde.


Für Nachtfahrten bietet die CB 1300 einen ausreichend dimensionierten Klarglasscheinwerfer, der eine breite Fläche gleichmäßig ausleuchtet. Hinten strahlt das mittlerweile zum Standard gewordene LED-Rücklicht.

Die Instrumente wirken klassisch. Analoger Tacho
und Drehzahlmesser gepaart mit zwei LCD-Anzeigen
informieren über alles, was man während eines Aus-
rittes wissen muss. Tankanzeige, Uhr, zwei Tages-
kilometerzähler etc, nichts fehlt.

An der Tankstelle kann ich beruhigt zur NORMAL-Zapfsäule vorfahren, doch nimmt sich die Honda
gute 7 - 9,5 Liter zur Brust, was ich für ein Motorrad der heutigen Zeit mit technisch aktuellem Motor-
management als zu viel erachte.

Fazit:

Mit der CB 1300 gelang es Honda, in dem Segment der hubraumstarken Reihenvierzylinder einen Platz gut zu machen. Glänzt die CB mit einem Motor, der laufruhig und uhrwerksgleich seine kraftprotzende Arbeit erledigt, sollte das Fahrwerk nochmal überarbeitet werden. Bremsen, Handlingsleichtigkeit, Allroundeigenschaften, Verarbeitungsqualität etc., etc., da gibt es nichts, wo die CB Mängel aufweist.
Es ist schön, das die Hersteller die Naked Bikes wieder entdeckt haben. Schließlich braucht man nicht immer eine Plastikverschalung um ein leistungsstarkes Motorrad, um richtig Kurvenspaß zu haben.



Und noch ein paar Bilder: