Ralf Kistner 

Im Schweiße meines Angesichts

 

 

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3 Tage Endurotraining im BMW-Enduropark Hechlingen

Der Kurs

1. Tag

2. Tag

3. Tag


Bernd brachte mich bei einem Telefonat im Sommer 99 darauf, daß hier im Wheelies eine Reportage über den Enduropark in Hechlingen sicher für die hiesigen Biker interessant und informativ sein könnte. Ich erinnerte mich an viele Gespräche mit Motorradfahrern aus der Region, die von dem 22 ha großen Gelände noch nichts gehört hatten. Dass dort Kurse gebucht werden können, war ebenfalls eine noch unbekannte Möglichkeit, sein Fahrkönnen zu erweitern.
Schnell war die Idee geboren, einen Kurs mitzumachen und darüber eine Reportage zu verfassen.

Nach Kontaktaufnahme und eingehender Info über die Idee übernahm die Presseabteilung von BMW die Kurskosten. Der Teriminierung mit der „Münchner Freiheit GmbH“ stand nichts mehr im Wege.
Beiden Institutionen möchte ich auf diesem Weg für das unproblematische und spontane Ermöglichen dieser Reportage danken.

Der Kurs

Im Oktober war mein Termin. Ich belegte einen 3tägigen Kurs. Die F 650 diente mir als „Arbeitsgerät“, das „glücklicherweise“ gestellt wurde. Eine äußerst sinnvolle Einrichtung, wie ich schnell erfahren durfte. Aber dazu später.

Endurofahren, Off-Road, Geländefahren, dies alles waren bis dahin für mich zwar auch Möglichkeiten, mit einem Bike Freude und Spaß zu haben, jedoch fühlte ich mich auf lockerem Untergrund immer etwas unsicher. Wehe, wenn eines der Räder auf Schotter oder Splitt Rutscher machte. Ich hatte da einfach Angst, weil ich noch nicht wusste, was in solchen Momenten mit der Maschine zu tun ist. Von Steilauf- bzw. -abfahrten ganz zu schweigen. Das war was für die anderen, nicht für mich.

Bei einer Urlaubstour mit einem Freund kam ich in den Genuß, genau solche, zudem oft lehmig-rutschige bzw. grobsteinige Untergründe kilometerweit auf den Militärsträsschen rund um den Manivapass mit meiner K100RS zu fahren. Seit dem dachte ich, daß es bei dem Kurs gar nicht viel schwieriger kommen könnte.
Was ich bis dahin von aussen vom Zaun aus beobachten konnte, sah gar nicht so schwer aus. Gustl, die gute Seele des Parks, machte mich in einigen Gesprächen vorher darauf aufmerksam., daß die Kurse ganz schön anstrengen sein konnten.


1. Tag

heanfang.jpg (11285 Byte) Früh waren die Maschinen sauber in Reih’ und Glied nach Modellen geordnet aufgestellt. Ein imposantes Bild, vor allem in diesem von aufsteigenden Nebeln verschleierten Frühsonnenlicht, das goldenes Oktoberwetter vom Feinsten versprach.
Nach einer Begrüßung und der Vorstellung der InstruktorInnen Heidi und Manfred, dem Mechaniker Martin Bumba durch Richard Schalber selbst wurden die Gruppen gebildet. Anschließend ging es nach Vorstellungsrunde und einigen theoretischen Infos schnell zur Praxis.

Also, runter die Maschine vom Ständer und erst Mal das Bike ausbalancieren. Daumen und Zeigefinger, der sogenannte Pinzettengriff, müssen reichen, um die 4 - 5 Zentner Metall und Plastik im Stand zu halten. Dann die Maschine mit laufendem Triebwerk und eingelegtem 1. Gang schieben. Und so weiter.
Endlich durfte gefahren werden - stets stehend und hinter dem Instruktor im Gänsemarsch her. Über Stock und Stein drehten wir einige Platzrunden und begannen damit, während der Fahrt immer diffizilere Kunststückchen nachzuahmen, die Manfred uns sicher und geduldig zeigte. Letztlich machte es mir kaum mehr Probleme, auf der Sitzbank zu knien, in den Damensitz umzusteigen oder mit dem rechten Fuß auf der linken Fußraste stehend den Parcour abzufahren. Es ging wirklich und machte auch noch Spaß. Unglaublich für mich.

Manfred verstand es, uns nachhemanfr.jpg (13671 Byte) und nach in die Technik des Offroadfahrens einzuweisen. Stehenbleiben und anfahren, enge Kurvenradien oder Achter meistern, die Maschine mit Kupplung und Bremse unter Spannung halten, lenken durch Gewichtsverlagerung auf den Rasten und ganz wichtig - die Blickrichtung. Mir wurde hier erst richtig bewußt, wie abhängig meine Fahrlinie von meiner Blickrichtung ist. So liess ich mich in die Künste des vorausschauenden Fahrbahnlesens einweisen und spürte, daß ich an Hindernissen wesentlich leichter vorbei fahre, wenn ich auch bewusst dran vorbei schaue.

Nach kurzer Pause, die hauptsächlich dazu diente, sich schweissnass von Pullovern etc. zu entledigen und Flüssigkeit zu tanken, standen diverse Balancetechniken und das Bremsen auf dem Programm.
Blockierbremsen vorne und hinten und schließlich mit kürzest möglichen Bremsweg galt es zu bewerkstelligen. Hierbei wies uns Manfred darauf hin, dass wir hinten ruhig das Rad blockieren lassen sollten, damit wir uns auf die Vorderbremse konzentrieren konnten.
      

hestehen.jpg (13427 Byte)Es ist klar, dass ich hier nicht eine Liste der Übungen aufstellen kann, da sie viel zu umfangreich für diese Seite werden würde.

Das Konzept des Kurses ist jedenfalls sehr praxisnah und kundenorientiert durchdacht. Am ersten Tag werden sozusagen die wichtigsten und für eine sichere Fahrweise grundlegenden Fahrtechniken geübt und in immer wieder durchgeführten Rundfahrten durch das wirklich riesige Gelände gleich in die Praxis umgesetzt. Der Enduropark bietet dazu ein riesiges Spektrum an Schwierigkeitsgraden. Der „normale“ Schotterweg ist genauso angelegt wie ein künstlicher Stein- und Felspass mit Spitzkehren, die trialmäßiges Fahrgeschick erfordern.
Dass ich nicht mit eigener Maschine fuhr, liess mir mehr Mut zum Risiko zu, da ich ja im Falle eines Sturzes nicht meine eigene Maschine mit Kratzern zeichnete.
In diesem Jahr waren die R 850 GS, die R 1100 GS und die F 650 als Kursmaschinen im Angebot. Zum Zeitpunkt meiner Buchung waren die Rs schon alle verbucht. Mich überraschte während der 3 Tage die für mein Empfinden gute Geländegängigkeit aller nicht gerade leichtgewichtigen Boliden. Zudem stellte ich mit Erstaunen fest, daß Umkipper oder leichte Stürze den Maschinen fast nichts anhaben konnten. Stürze und Umkipper gab es häufig während der 3 Tage, größere Schäden bis auf 1 Ausnahme keinen. Hier brach der Fußbremshebel beim „Verhungern“ und anschließendem Sturz an einer Steilauffahrt ab.

Nicht so robust erwiesen sich einige Kursteilnehmer vor allem am 2..und 3. Tag. Nachlassende Kondition und entsprechend auch Konzentration führten zu Stürzen mit Verletzungen. Speziell am 3. Tag war bei einigen Kursteilnehmer spürbar, daß sie über ihre körperlichen Grenzen gingen und zu einer sicheren und konzentrierten Fahrweise nicht mehr richtig in der Lage waren. Dabei war einigen der sportive Umgang mit der Gashand wichtiger als das sichere Beherrschen der Maschine, so daß Stürze nicht ausblieben. Verletzungen vor allem an Sprunggelenken oder Unterbeinen durch gewichtigen Fußrastenkontakt waren unumgängliche Folgen.

hesturz.jpg (16314 Byte)Dem Instruktorenteam kann hier kein Vorwurf gemacht werden. Sicherheit und Unfallverhütung waren stets oberstes Gebot während des Kurses. Sowohl in Theorie hesteff.jpg (15398 Byte)als auch in der Praxis wurde auf diesen Bereich eingegangen. Fahren im Gelände war nur unter Aufsicht eines Instruktors erlaubt. Solofahrten wurden untersagt.

 

Der 2. Tag

Jedoch packt es einen spätestens am 2. Tag, wenn man die schweißtreibenden und kräftezehrenden Strapazen des 1. Tages verdaut hat, der Muskelkater sich verabschiedet und vor allem die Kupplungshand wieder genug Kraft hat, ihren Dienst zu verrichten. In diesem Moment wird man sich seiner neu erlernten Fähigkeiten bewusst. Man will ausprobieren und die eigenen Grenzen austesten. Klar, dass man dabeiauch ab und zu über das Ziel schießt.

Frühmorgens fuhren wir in die Hahnenkammkaserne über Heidenheim. Asphaltfahren stand auf dem Programm, aber nicht ohne Stretching und Aufwärmgymnastik. Anschließend fuhren wir wieder die „Kunststückchen“, um mit der Maschine warm zu werden.
 

heolaf.jpg (16614 Byte)An diesem Übungsvormittag standen Kurventechniken (drücken, legen) und Bremsen im Vordergrund.
Gekoppelt immer im Hinblick auf Fahrsicherheit im Straßenverkehr.

Beeindruckend demonstrierten Vorführungen, wie elend viel länger der Bremsweg bei einer Geschwindigkeitserhöhung von 50 km/h auf 70 km/h wird. Und Hand aufs Herz, wer hat in einer Ortschaft nicht oft 70 oder mehr auf dem Tacho?

Beim Bremsen konnte sich jeder Teilnehmer darin üben, mit progressivem Hebeldruck das ABS zu ersetzen und damit seinen Bremsweg möglichst kurz zu halten. Auch hier galt es, in Vorübungen den Umgang mit einem blockierenden Vorder- bzw. Hinterrad zu erlernen und vor allem die Angst vor der Vorderradblockierung abzulegen. Das schafft Sicherheit und Selbstbewusstsein, wenn es mal haarig werden sollte.

Nachmittags waren nach den köstlichen kulinarischen Schmankerln des Forellenhofes in Hechlingen fahrerische Offroad-Schmankerln angesagt. Durch Feld und Flur (mit Genehmigung!) führten uns die Instruktoren zum Truppenübungsplatz, in dem wir uns nun, zwar in Reih und Glied, aber dennoch mit viel Gaudi, austoben konnten. Ähnlich wie der Enduropark bot dieses Gelände im eigenen Stil alle Schwierigkeitsgrade an, um sein Fahrkönnen umzusetzen und seine fahrerischen Grenzen zu erweitern.

Individuell beeindruckend waren die Ein-, Durch- und Ausfahrten aus den Schützengräben, in denen trialmäßig an „Kreuzungen“ abgebogen wurde, was Kraft, Geschick und Übersicht erforderte.


hewasser.jpg (12322 Byte)Wer sich so richtig suhlen wollte, hatte dazu mehrmals in der Panzerspur die Möglichkeit. Die Kuhlen waren gut wassergefüllt, so daß spaßbringenden Schlammbädern für Maschine und Fahrer wahrlich nichts mehr im Wege stand. Ich fühlte mich eigenartig, als sich meine Maschine unter mir in der ersten richtig tiefen Wasserdurchfahrt wie ein blubbernder Bootsmotor anhörte. Ganz zu schweigen von der mich dann über die Verkleidung anspringende Bugwelle, die eine sowieso anstehende Komplettreinigung meiner Motorradklamotten nun auch äußerlich sichtbar notwendig machte.

Nach der Rückkehr stand allen Teilnehmern noch der Spaß (und Schlamm) des Nachmittages ins Gesicht geschrieben. Einige beschäftigten sich mit der Trockenlegung der Füße durch Entwässern der bis zum Rand gefüllten Stiefel.

Abends traf man sich wieder im Forellenhof zum Abendessen, lockeren Gespräch und einigen Videos über Events der Richard Schalber GmbH. Richard zeichnet sozusagen für die Enduro- und Offroadevents der „Münchner Freiheit“ verantwortlich. Er beschäftigt ein Stab an haupt- und nebenberuflichen Instruktoren und Mitarbeitern, die für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen sorgen. Im Angebot der „Münchner Freiheit“ findet man Handlingskurse, Kurse für die Enduropraxis, aber auch den Transdanubia Ride 2000 oder die Katalonienfahrt als Saisonabschluss. Letztere Veranstaltungen finden sich u.a. im eigenen Katalog der „Schalber GmbH“.


3. Tag

Nach obligatorischem Aufwärmen in goldener Oktobersonne ging es vormittags an die Auf- bzw. Abfahrten. Gerade hier kamen uns nun die bereits erlernten Beschleunigungs- bzw. Bremstechniken zugute. Vor allem aber erforderten diese Spezies an Geländeformation ein Höchstmaß an Konzentration und Präzison im Umgang mit der Maschine.


Ich spürte, wie mich an diesem Tag immer wieder die Kräfte verließen und entschied mich, zwar die Übungen mitzumachen, jedoch einige der kräftezehrenden Fahrten durch den Park einzusparen. Diese Entscheidung hielt mich sicherlich verletzungsfrei. Selten zuvor hatte ich das Gefühl, vor allem in den Armen und der Kupplungshand wirklich kaum mehr Kraft zu haben. Nachdem ich die Maschine bei einer Steilabfahrt mit engen Abbiegungen in Hohlgässchen plötzlich nicht mehr halten konnte, war für mich klar, daß meine Grenze für diesen Moment erreicht war. Gerade an diesem Vormittag entstanden bei Teilnehmern die meisten Verletzungen.
  

hesand.jpg (13770 Byte)Nach stärkendem Mittagessen und kleinem Sonnenbad ging es in die Endrunde. Aufwärmen und dann die Sandbahn. „Hintern nach hinten, Gashahn auf und durch“, hieß die Devise. Wer es schaffte, konnte sich des Beifalls der Umstehenden sicher sein. Wer nicht, der fiel weich. Dann hieß es, die Maschine zu bergen und mit Motorunterstützung raus zu schieben - und es erneut zu versuchen. Unerwarteterweise machte das echt richtig Spaß.
Danach noch eine Abschlußrunde über das wirklch wunderbare Gelände durch den „Canyon“, das „Kuscheleck“ usw.

Wenn ich heute auf dieses Wochenende zurück blicke, sind die körperlichen Strapazen vergessen. Ich fühle mich auf meiner Maschine wesentlich sicherer, suche Offroadpassagen bei meinen Touren und werde in der nächsten Saison meine K gegen eine Reiseenduro eintauschen, um offroadtauglicher unterwegs zu sein. Wenn das kein Erfolg ist.

Stand: 13.04.2001