Ralf Kistner

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Ein Fahrbericht über die Suzuki Hayabusa als Umbau vom Team Metisse

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Wer aufmerksam die Anzeigen renomierter Motorradzeitungen betrachtet, wird immer wieder auf eine Annonce von “Team Metisse” stoßen. Der Spezialist für den Vertrieb von hochwertigen Umbauteilen stellt dabei seine Interpretation der Suzuki Hayabusa zur Schau. Neonbunt mit stark modifiziertem Äußeren ist die Haya als solche auf den ersten Blick nicht mehr zu erkennen.

Seite linksHorst Edler steckt als Inhaber der Fa. “Team Metisse” hinter allem. Er lud mich ein, um seine Haya einer Testfahrt zu unterziehen. Ich kann’s vorweg sagen: Ich sah der Göttin der Beschleunigung für kurze Momente direkt in die Pupillen, direkt auf den Augenhintergrund. Aber fangen wir vorne an.

 

 

 

Der Umbau

Horst legte beim Umbau der Haya großen Wert auf eine schlanke, moderne Optik, geringes Gewicht und volle Alltagstauglichkeit. Im Folgenden seien die Umbaumaßnahmen im Einzelnen beschrieben.

Auffälligstes Merkmal der Metisse-Haya ist sicherlich die Verkleidung vom Typ “Sprint”. Verkleidung vorneRahmenfest als Halbschale ist sie für verschiedene Motorräder mit allen Anbauteilen erhältlich. Man kann zwischen zwei Scheiben wählen. Ich kam in den Genuss, die Vorzüge der klaren Airflow-Scheibe und muss sagen, dass ich an einem sportlichem Bike einen besseren Windschutz bisher nicht erfuhr. Ohne jegliche Verwirbelung schützt die klein anmutende Halbschale bis in den Bereich jenseits der 300 km/h. Leichtes Kopf-Einziehen reicht aus, um sich bei voller Fahrt dem Tornado von vorne wirksam zu entziehen. Wirklich traumhaft!
Komplett wird die Verkleidung optisch durch die Rahmenabdeckungen in Carbon, die die Rahmenlöcher von oben abdecken.

Die Sitzbank vom Typ “Predator” bietet trotz knappem Sitzpolster guten Halt und ausreichend Komfort auch für die große Urlaubstour.

hinten links Optisch fallen der aerodynamische Kotflügel und die Radabdeckung am Hinterrad mit integriertem Kettenschutz ins Auge.

Für verbesserte Handlichkeit und letztlich auch Sicherheit implantierte man der Haya eine Heck-Höherlegung. Die Umlenkhebel (mit TÜV) heben das Heck um 28 mm an. So bekommt die Haya eine Handlichkeit, wie ich sie von meiner GS-BMW her kenne. Spielend leichtes Einlenken lässt so enge Kurvenkombinationen zur Sucht werden. Die Haya braucht kaum Nachdruck und fällt praktisch von alleine in die vom Fahrer angedachte Richtung.
Zudem bewirkt die Höherlegung mehr Grip am Hinterrad und mehr Gewicht auf dem Vorderrad. Das bewirkt, dass die auf 214 kg (!!!) abgespeckte (Original 251 kg) und auf 176 PS (am Hinterrad; am Motor ca. 190 PS) getunte Maschine im 2. Gang bei Volllastbeschleunigung das Vorderrad schön sauber am Asphalt lässt, so dass man die volle Beschleunigungsarbeit gerne wiederholen kann ohne Angst haben zu müssen, dass der Falke zum Looping ansetzt.
HeckhöherlegungskitDer Preis für die Umlenkhebel lieben bei 119.- DM. Ein geringer Aufwand mit äußerst großer Wirkung. Das Minimalprinzip in Vollendung, wie ich finde.

 

 

 

Wirksam auch die Alu-Sturzpads, wovon Horst Edler selbst ein Lied singen kann. Fiel ihm sein Meisterstück doch letztens um und überlebte den Sturz ohne einen Kratzer. Ohne den Pad hätte die Verkleidung sicherlich einige Blessuren davon getragen.

Schön anzusehen und schützend ist der Kühlergrill aus poliertem Edelstahl, den Edler auch für viele andere Motorradtypen anbietet.
Der Tankschnellverschluss erleichtert das Tanken um einiges.

BremseFür optimale Verzögerung mit stets gleichbleibendem klarem Druckpunkt sorgen vorne zwei 6-Kolben-Bremszangen. Sie sind über jeden Zweifel erhaben und leisten fein dosierbare Verzögerungsarbeit mit hoher Effektivität.

Die hochgelegte Auspuffanlage (4in2in1) mit Nikko ABE-Dämpfer verleiht der Haya schlanke Sportlichkeit und klingt richtig gut.

Das schnell und kraftvoll schlagende Herz der Haya wurde bei der Fa. Großewächter in Spänge auf Vordermann gebracht. Stichpunktartig seinen die Umbauarbeiten aufgeführt:
Tornado Nockenwellen, Zylinderkopfbearbeitung, Neuprogrammierung der Zündbox. Zusätzlich stattete man die Haya mit dem Team Metisse Full Power Connector für volle Leistung im 2. und 3. Gang aus, da die meisten Suzi-Modelle in der BRD aufgrund der Geräusch- und Abgasbestimmungen gedrosselt laufen. Die Drosselung wird mit dem Connector aufgehoben.


Die Fahrt

Soviel nun zum Umbau dieses einmaligen Gerätes. Jetzt kommt natürlich die Frage, wie sich eine solche Rakete im Alltag bewährt, ob eine Maschine mit diesem Leistungsgewicht im STVO-konformen Verkehr überhaupt straffrei ohne satter Punktebeschleunigung in Flensburg bewegt werden kann, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Leistungsprotz anzumelden, oder ihn nur auf Rennstrecken zu fahren.

TeufelsreiterEs ist vollkommen klar, dass 1300 ccm in der beschriebenen Konstellation schon ab Standgas so viel Druck aufbringen, dass die Fuhre direkt in Fahrt gebracht wird. Es ist auch klar, dass der Lenker dieser Haya die Rolle mit noch mehr Wachheit und Bedacht drehen muss als bei der Serien-Hayabusa. Dieser Falke schnappt noch schneller und gewaltiger zu.
Es ist der Antritt, den ich von leistungsstarken V2-Motoren à la Duc oder Aprilia kenne. Direkt und ohne Umschweife auf kürzestem Weg zum Drehmoment- und Leistungszenit.
Diesen Antritt muss man erlebt haben. Ich habe letztes Jahr die Kawa ZX 12 R gefahren und war überzeugt, dass es heftiger eigentlich nicht mehr gehen kann. Fehlanzeige! Was die Umbau-Haya zeigt, ist jenseits von Gut und Böse - wenn ich es denn ausnutzen mag.

Das ist der Punkt. Ich kann, wenn ich will. Das ist das Gefühl, mit dem ich auf der Haya unterwegs bin. Ich muss ja nicht und kann das wunderbar steuern. Das ist auch mein Argument, wenn ich immer wieder zu hören bekomme, was das soll, sich für unseren Straßenverkehr eine solche Maschine zuzulegen. Das kann man doch gar nicht ausnutzen. Die meisten denken dabei (leider) nur an die Höchstgeschwindigkeit, die bei der Metisse-Haya sicherlich weit über der 300er-Marke liegen dürfte. Ich kenne sie nicht, da ich die Haya nicht ausfuhr. Das erlaubte der Verkehr nicht.
Aber die Beschleunigungsleistung konnte ich austesten, immer wieder auf der Autobahn, wenn gerade eine ausreichend lange Lücke war. Und das ist ein Erlebnis, das sind Kräfte, ähnlich wie sie Schumi in seinem roten 800-PS-Bomber zu spüren bekommen dürfte.
Auf der BAB-Einfahrt bei Heilbronn unterhalb der Platte geht es Richtung Würzburg. Im 2. Gang biege ich mit 80 in die Beschleunigungsspur ein. Und dann geht ein Feuerwerk ab. Die Maschine explodiert regelrecht beim Aufreißen des Gashahns. Ein Augenzwinkern weiter fordert mich der Begrenzer bei 11 000 Umin zum Hochschalten auf. Tacho 200! Im 3. und 4. Gang wird diese Geschichte fortgeschrieben. Tacho und Drehzahlmesser Ende 4. GangBei ca. 270 schalte ich in den 5. Gang. Die Haya schiebt und schiebt. Bei Tacho 295 klicke ich in den 6. Gang. Die Haya schiebt weiter mit einem Druck, den ich von meiner GS im 3. Gang kenne. Unglaublich.

Unglaublich auch der Windschutz, den mir die Verkleidung bei diesem Tempo bietet. Trotz verbautem Superbikelenker muss ich den Kopf nicht auf den Tank legen, um nicht das Gefühl zu bekommen, dass mir der Orkan den Kopf abreißen wird. Das ist perfekt.

Perfekt auch das Fahrwerk. Schnurgerade zieht die Haya und hält jede vorgegebene Linie exakt ein ohne nervös zu werden. Lange BAB-Kurven mit Geschwindigkeiten um die 300er Marke bringen die Maschine nie aus der Ruhe, was ein hohes Sicherheitsgefühl vermittelt.

Zum Gesamtkonzept passt auch die Bremsanlage, die wie schon beschrieben keinen Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit aufkommen läßt.

Jetzt aber wieder zurück in den normalen Bikealltag auf der Landstraße. Wie gesagt, Voraussetzung ist Wachheit und Selbstdisziplin. Dann ist es kein Problem, diese Maschine ganz normal auf unseren Landstraßen zu bewegen. Und das mit maximalem Spaßfaktor.
Losfahren, 6. Gang, und dann einfach dem Straßenverlauf folgen. So könnte die Bedienungsanleitung für die Metisse-Haya lauten. So extrem leistungsstark sie ist, so extrem handlich ist sie auch. Sagenhaft. Das Fahrwerk wirkt straff, aber nicht knochig. Schräglagenfreiheit ist dank der je um 25 mm höher und zurückversetzten Fußrasten aus dem Metissesortiment praktisch unbegrenzt vorhanden.

 

Fazit:

Das Konzept der Metisse-Hayabusa ist meiner Meinung nach perfekt. Ein perfekte Fahrmaschine ohne überflüssigem Schnickschnack. Es passt an dieser Maschine einfach alles.
Ein echtes Unikat, das sich jeder nachbauen kann. Denn das macht Horst Edler nicht. Er baut nicht um. Er gestaltet Umbaukonzepte, vermittelt und vertreibt alles für den Umbau notwendige.

Für eine Haya wie die getestete muss man ca. 36.000.- DM berappen (Neufahrzeugkauf inklusive).
Vorteil des Konzeptes:man kann sich seine Wunsch-Haya auch Schritt für Schritt umbauen oder sich beim Umbau Prioritäten setzen, um so den finanziellen Aufwand in Grenzen halten.

Stand: 2002-01-26   Ralf Kistner

 

 

Kontakt zu Team Metisse unter:

www.metisse.de