Ralf Kistner

Beam me down, Scotty, aber nur mit einer

fazer.gif (4211 Byte)

 

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Technische Daten:

wassergekühlter 4Zylinder-Viertakter; Reihenbauweise; 4 Ventile/Zyl.
Hubraum:    599 ccm
Leistung:    95 PS bei 11.500 Umin
Drehmoment:   61 NM bei 9500 Umin
Rahmen:     Doppelschleifen-Stahlrohr
Fahrwerk:    vo. 41er Telegabel mit stufenloser Einstellmöglichkeit der       Federvorspannung; hi.Zentralfederbein
Reifen:  vo. 110/70-17, hi. 170/60-17
Bremsen:    vo. Vierkolbenfestsattel-Doppelscheibe;   hi. Zweikolben-Festsattel-Scheibe
Gewicht:        217 kg
Preis:        13.390 DM

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fahrbericht Yamaha FZS 600 Fazer 

 

Yamaha FZS 600 Fazer TotaleOb Kirk dies so wollte, sei dahin gestellt. Wenn nicht, dann hatte er sich in jedem Fall ein irdisches Vergnügen vorenthalten.

Die Yamaha FZS 600 bzw. FZS 600 S Fazer (das „S“ steht für die aufwendigere Zweifarbenlackierung) ist für das neue Jahrtausend weiterentwickelt worden. Keine kosmischen Veränderungen, sondern eher Details sollen die Fazer milleniumstauglich machen.
Als Eigner großer Reisemaschinen war ich gleich doppelt gespannt auf das Fahrzeug, das mir von der Fa. Scheiterlein in Satteldorf-Bronnholzheim zur Verfügung gestellt wurde.
Die Motorradpresse hatte ja schon genug getestet und verglichen. Alle waren sich darin einig, dass die 600er in jeder Beziehung als Alltagsmotorrad, aber auch als Sportler durchgehen kann. So legte ich ein besonderes Augenmerk auf die Sitzposition und die Lenkerhaltung. Ich kann gleich vorweg sagen, dass ich mich auf der Fazer wohl fühlte. Die nun besser gepolsterte und breitere Sitzbank hält einer längeren Tour sicherlich stand, ohne dem Hinterteil des Fahrers nach einiger Zeit die harte Schale spüren zu lassen. Zudem war der Kniewinkel für meine 1,82 m Körpergröße angenehm. Freude auch über die kaum belasteten Handgelenke. Die Schalter und Hebel sind Standard, der Bremshebel jedoch einstellbar. Positiv auch der Warnblinker, den ich mir am Ende eines der zahllosen Staus oft gerne schon wünschte.
Schade nur, dass mir die Spiegel mehr von meinen Armen und Schultern zeigten als vom rückwärtigen Geschehen.

Jetzt kam die Frage auf, wie es denn mit dem Soziusplatz aussah. Der war ja bei den „alten“ Modellen immer wegen der hohen Soziusrasten der Kritikpunkt, der Fazerfahrer zu Solofahrern bzw. die Sozias zu yogaähnlichen Sitzhaltungen verdammte.
Die Yamahaingenieure setzten den Auspuff etwas tiefer, wodurch auch die Rasten 3,5 cm tiefer montiert werden konnten. Nun klappt’s auch mit der Nachbarin, die auch gerne etwas größer sein darf. Meine Sozia konnte mit ihren knapp 1,75 m Lebensgröße angenehm und relativ bequem die Fahrt auf der Autobahn bei guten 180 km/h oder im auf welligen Sträßchen im Jagsttal genießen.

Apropos Autobahn: man mag es nicht glauben, aber diese kleine Verkleidung sieht nicht nur gut aus, sondern schützt auch noch wirksam vor Fahrtwind. Brust und Hals waren praktisch druckfrei. Bei höheren Geschwindigkeiten brauchte ich meinen Kopf nur etwas einziehen, so dass die Scheibe den Winddruck weitgehend vom Helm ableitete. Die Windgeräusche bleiben in gut verträglichem Maß.

Fazer FahrbildDas andere Augenmerk galt dem Fahrwerk. Auch hier verspricht Yamaha Alltagstauglichkeit mit sportlichem Charakter.
Stimmt, kann ich kurz und knapp sagen. Die Fazer ist so handlich, dass ich keine Eingewöhnungszeit brauchte. Draufsetzen und los. Nicht nachdenken, sondern Gas geben und rein in die Kurven. Die Fazer bleibt starr und stur in der gewählten Linie. Bodenunebenheiten, Frostlöcher und Wellen schluckt sie weg, ohne schwammig zu wirken. Wer es härter mag, kann an der Gabel die Federvorspannung erhöhen.
Tourentauglicher Fahrkomfort kann der Fazer wahrlich nicht abgesprochen werden. Ihrem Namen macht sie hier auf jeden Fall keine Ehre. Glücklicherweise, wie ich finde. Es gibt beim Motorradfahren schon genug, was einen durcheinanderbringen kann. Nein, die Fazer bewirkt eher das Gegenteil, soweit man die gesetzlich vorgeschriebene Gangart wählt.

Wer jedoch vorhat, mit der Fazer mal so richtig zu feilen, wird von ihr sicher nicht enttäuscht werden. Auch in heftigen Schräglagen, auch mit Sozia auf avantgardistischer Straßenflickkunst, behielt sie die von mir vorgegebene Linie sauber ein, ohne in kreative Schaukelbewegungen oder Hüpfaktionen überzugehen. Ich musste nur den Motor auf Drehzahl halten, wie es die 600er Viertöpfe verlangen. Eine Leichtigkeit mit diesem gut abgestuften und präzise zu schaltenden 6-Gang-Getriebe. Zudem eine mechanisch betätigte Kupplung, die die Unterarmmuskeln zu schonen weiß.
Die Fazer zog sauber und ohne Loch praktisch ab guten 5500 Umin in jeden Drehzahlbereich durch. Ab 9500 Umin, genau der Bereich, an dem das max. Drehmoment anliegt, ging es dann ordentlich zur Sache. Der Motor läuft seidig, verursacht aber bei 130 km/h im 6. Gang leichte Lenkervibrationen, die sensible Spezies bei langer Tour stören könnten.
Der Sound und die Drehfreude des Aggregats motivieren, höhere Drehzahlregionen zu erklimmen und sich in ihnen aufzuhalten, um die Fazer entsprechend zügig zu bewegen. Kein Problem, denn passend zum sportiven Vortrieb spendierte Yamaha der Unruhestifterin Bremsen erster Güte. Mit den Bremssätteln der R 1 und den 298er Scheiben vorne nimmt man im Alltagsbetrieb am besten nur 2 Finger zur Verzögerung, die wirklich brachial sein kann. Ich hatte bei einigen satten Einbremsaktionen das Gefühl, dass das Hinterrad an Bodenkontakt verliert.
Beide Bremsen sind vorzüglich dosierbar und klar im Druckpunkt. So mag ich’s. Das gibt Sicherheit.

Fazer InstrumenteDie Ausstattung der Fazer ist reich. Im Tacho befindet sich eine LCD-Anzeige, die wahlweise die Uhrzeit, Gesamtkilometer und 2fach Tageskilometer preisgibt. In der Tankanzeige wird zu Beginn der Reservemenge eine Warnlampe geschaltet. Dazu zählt im Kombiinstrument ein Kilometerzähler extra die 3,5-Liter-Reservespritstrecke an. Eine nützliche Einrichtung, wie ich finde.
Für die Kleinigkeiten unterwegs findet man unter der Sitzbank ein 9 Liter großes Staufach. Unter der Sitzbank ist die Haltevorrichtung für das Yamaha-Bügelschloss.

Auch wenn ich eher auf Großvolumiges stehe, konnte mich die Fazer vor allem in ihrer Alltags- und Tourentauglichkeit überzeugen. Das Konzept der Maschine wirkt durchdacht und für jedermann(-frau) tauglich.
Überzeugend empfand ich auch die gute Verarbeitung des Bikes. Eine gute Mischung aus High Tech und solider Handwerksarbeit.

 

Stand: 12.04.2001