Ralf Kistner

Single-Reisende

 

 

 

 

 

 

 

 

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Alleine unterwegs mit der

Aprilia Pegaso 650 Cube

ap_vorne.jpg (20835 Byte)

Alleine, aber nicht verlassen, fanden sich an diesem wunderschön sonnigen Tag 2 Singles, um sich für kurze Zeit im Jagsttal gemeinsam zu vergnügen. Beide brachten jeweils die besten Voraussetzungen dafür mit.
Der eine hatte Lust und Leidenschaft, auf den kleinen gewundenen Sträßchen mit oft holprigem Straßenbelag eine zügige Linie zu ziehen und dabei die bewaldeten und wiesenbewachsenen Talverläufe zu genießen. Die andere hatte Ambitionen, um ihm den Spaß, den er sich für diesen Vormittag ausmalte, bieten zu können.

Sie war schon immer ein Single. Entstanden in der Apriliaschmiede in den frühen 90er Jahren, wurde an ihr beständig modellgepflegt, bis sie schließlich gegen Ende dieses Jahrhunderts ihr jetziges Gesicht bekam. Mit ihren großen geschwungenen und durchaus wirksam vor Fahrtwind schützenden Handprotektoren könnte man meinen, sie schaue mit leichten Schlappohren in die Welt.

Beide verstanden sich von Anfang an prima. Der Druck auf den Startknopf erweckte sie aus ihrem Dornröschenschlaf. Willig nahm sie, obwohl sie schon tagelang in Träumen gelegen hatte, die Gasgriffmotivationen für mehr Drehzahl an und zeigte ihm, daß sie bereit war für den Ausflug.

Er nahm sie zwischen seine Schenkel und fühlte sich auf ihrer breiten und gut gepolsterten Sitzbank sofort wohl.

Alles war zwischen den beiden geklärt. Es konnte nun richtig losgehen. Er steuerte sie in Richtung der kleinen Landsträßchen, die nach Langenburg, Bächlingen und Mulfingen führen. Genau das Terrain, für das sie geschaffen zu sein schien. Sie versuchte, meist mit ansprechendem Erfolg, ihn von den kleinen Bodenwellen zu verschonen. Größere waren spürbar, doch war es für sie ein leichtes, ihm auch hier in Schräglagen ein absolut sicheres Gefühl zu vermitteln. Er dankte dieses Entgegenkommen mit vermehrten Benzingaben durch den 33er Mikunivergaser. Sie wiederum fühlte sich geehrt und setzte diese wohlgemeinten Präsente in Kraft und Vorwärtsdrang um.
Die Kombination aus der 40 mm Upside-Down vorne, dem robusten Doppelschleifenrahmen und der massiven Aluschwinge ließ wirklich nichts aus der Ruhe bringen. Lastwechsel gab sie ihm nicht zu spüren.
Begeisternd für ihn war die Kraftentfaltung ab 2800 /min. Da sie motorseitig noch fast jungfräulich war, trieb er sie nicht bis an ihre Belastungsgrenzen. Der Bereich bis ca. 5000/min reichte für die gemeinsame Kurvenhatz gut aus.
Beflügelt von 49 rassigen Pferdestärken vermochte die Pegaso ihm das Gefühl zu geben, daß ihr selten die Puste ausgehen würde. Im ersten Gang zügig beschleunigt, bäumte sich das beflügelte Pferd auf und schien ihm zeigen zu wollen, wozu sie kraft ihres mythologischen Namens gerne imstande wäre.

ap_ohren.jpg (13737 Byte)Bei aller Singlearbeit blieb er dank werksseitiger Umstellung auf Gleitlager ab den genannten 2800/min von unschönen Vibrationen verschont. Drunter schüttelte ihr Kraftzentrum die Maschine und ihn ziemlich deftig durch.
Die Aprilia konnte ihn aber nicht nur durch unermüdlichen Vorwärtsdrang überzeugen. Überschüssiges Tempo eliminierte er mit ihren Stoppern von Brembo wirkungsvoll. Fein dosierbar griff vorne ein Doppelkolbensattel in die 300 mm Scheibe, hinterseitig gab ein Einkolbenstopper bissig mit einer 220er Scheibe seinen Senf dazu. In Schräglage gebremst neigte sie etwas zum Aufstellen.

Nach kurzer Zeit war ihm klar, daß er mit ihr die verbleibende Zeit seiner Lust entsprechend fröhnen wollte. Leichtfüßig wedelnd sah man die beiden über die kleinen Landsträßchen huschen.

Nach gut 130 km war der Spaß dann vorbei. Sie mußte bei der Fa. Scheiterlein wieder in den Stall. Wehmütig trennte er sich von ihr.

Ihm fiel auf, daß er sich nach den gut 2 Stunden Ausfahrt (mit Fotopausen fürs Album) immer noch frisch und entspannt fühlte. Dabei erinnerte er sich an die angenehm aufrechte Sitzposition und das leichte Handling trotz 200 kg Leergewicht. Seine Hände und der Brustbereich waren ausreichend vom Winddruck geschützt. Die Fahrt hätte noch beliebig fortgesetzt werden können. Er dachte gleich daran, daß die Maschine bei Tourenfahrern sicherlich viel Freunde finden könnte.
Schade fand er, daß sie ausschließlich nach Super bleifrei verlangte und sich davon schon gut 6,5 Liter auf 100 km zur Brust nahm.

ap_heck.gif (38300 Byte)Auf seiner Heimfahrt kamen ihm Ausstattungsdetails wie der Gepäckträger mit 2 guten Haltegriffen für Sozias und dem Kunststoffmotorschutz vor Augen. Die Verarbeitung machte einen überzeugend robusten Eindruck auf ihn. Ihr Äußeres zeigte Stil und ein durchdachtes Design, in dem Funktion und Aussehen zu einer Einheit verschmelzen.

Wer mag, kann sich mit dem Aprilia-Zubehörprogramm sein individuelles Pferd satteln. Grundpreis ist 11398 .- DM. Die Pegaso Garda hat für 600.- DM mehr ein Koffersystem und ein in Federung per Handrad verstellbares Federbein.

Unverständlich war ihm, daß die Pegaso bisher vergleichsweise wenig Liebhaber fand, machte sie nach seiner Einschätzung der Kategorie “Funduro” wirklich alle Ehre.

Der Spaß mit ihr machte ihm wirklich Spaß. Und er wußte, daß sie sich irgendwann für einen Ausritt wieder begegnen würden.

Stand: 2002-01-26